Sloane’s Agony

sloane-stockholmSloane’s Agony
Sammelobjekte in Schaukästen, 40 x 30 x 9 cm, work in progress, seit 2011
supermarket, independent art fair, Stockholm, 2013; Wiener Wunderkammer, Technische Universität Wien, 2014; Vergessen, brick 5, Wien 2015

Die Sammlung des britischen Arztes Sir Hans Sloane (1660 – 1753) umfasste nahezu 80.000 Objekte und Gegenstände aus aller Welt, rund 50.000 Bücher und Manuskripte, sowie ein umfangreiches Herbarium. Nach seinem Tod ging diese Sammlung mit der Zustimmung des Parlaments ins Eigentum des Königreichs über und war so wesentlich für die Gründung des British Museum. Anknüpfend an Sloanes Geschichte und Sammelleidenschaft entsteht seit 2011 die Serie „Sloane’s Agony“, einer divergente Ansammlung unterschiedlichster Fundstücke, die – in Schaukästen geordnet und gesteckt – die Dingmassen des gegenwärtigen Alltags sichtbar machen. Die Sammlungskonzeption beschränkt sich dabei auf kleinformatige Gegenstände:
Abfall, Plastik- und Metallgegenstände und deren Fragmente, Holz, Knochen, Textil, Strandgut, Tierkadaver, Insektenleichen und mehr, vermischen sich – allen immanent ist die kollektive Auflehnung gegen das eigene Vergehen, obwohl sie nicht mehr gebraucht werden.
‚Wie ein Weichtier in der Muschel‘ beschreibt Walter Benjamin den Menschen, berührt von seiner Dingwelt, aus der heraus erst seine Möglichkeiten erwachsen und sich seine Fähigkeiten habitualisieren. Dementsprechend sind die Dinge voller  wechselnder  Bedeutung und verweisen nicht nur auf ihre Kontexte, sondern vor allem auf die Subjekte, denen sie begegneten oder im Wege lagen, von denen sie gefunden oder gemacht, gesammelt oder benutzt, erinnert oder vergessen wurden – und die als Subjekte nicht unabhängig von den Objekten gedacht werden können.

In den Schauboxen werden ebendiese Gegenstände als unendliches Spektrum an Materialien und Formen kontextualisiert und erzählen als bewusst geordneter Querschnitt nicht nur von der menschlichen Objektbezogenheit, sondern auch von der Vergänglichkeit in der Zeit. Die einzelnen Plateaus bieten jeweils eine überschaubare Anordnung an diversen Fundgegenständen, die so sortiert und gruppiert wurden, dass die Einzelobjekte entweder formal, inhaltlich, rezeptionsästhetisch oder beiläufig miteinander korrespondieren – so entsteht eine hermeneutische Fülle möglicher Lesarten.
Der aus der Entomologie übernommene Umgang mit dem Material hat die Konsequenz, dass durch die notwendige Lochbohrung zum einen alle ausgewählten Gegenstände zusätzlich markiert werden, die aufgenommene Masse so aber gleichzeitig einer Entwertung, im Sinne von Zerstörung, unterworfen ist. In Folge ergibt sich durch das Feststecken in die mit Naturpapier überzogenen Plateaus eine weitere unwiderrufliche Endgültigkeit.

box033 box032 box031 box030 box029 box028 box027 box026 box025 box024 box023 box022 box021 box020  box018 box017 box016 box015 box014 box013 box012 box011 box010 box009 box008 box007 box006 box005 box004 box003 box002