recollectibles

Wir befinden uns inmitten von Kulturprodukten, zum Beispiel vollen und aufgehobenen leeren Flaschen, und zwischen diesen dicht um uns stehenden Kulturprodukten bewegen sich, wie in einem Labyrinth, die Menschen, teils bemüht die Kulturprodukte zu erzeugen, teils sie zu verbrauchen, teils sie von Ort zu Ort zu schieben, teils, ihnen aus dem Weg zu gehen,… (Vilém Flusser)

Kultur konstituiert sich daher nicht nur durch das, was gesammelt, bewahrt und in Museen nobilitiert wird, sondern genauso durch das Gegenteil – das Weggeworfene, den besitzlos vagierenden Unrat und dem Müll. Archive, Museen und Mülldeponien sind Schlüsselorte in einer Erzeugungskultur, die auf den Umgang mit Gegenständen aufgebaut ist – sie expandieren mit dem Wohlstand und steigendem Konsumverhalten, sowie dem schneller werdenden wissenschaftlichen, technologischen, sozialen und kulturellen Wandel durch die industriellen Massenproduktion. Die Generierung von Wissen, heraus aus dem Sammeln physischer Objekte, hat eine lange Tradition, die Entsorgung von Gegenständen eine bei weitem kürzere: Im besten Fall sollte alles, was nicht in einer musealen oder wissenschaftlichen Sammlung landet, früher oder später auf die Mülldeponie kommen.

Als Grundlage für die Auseinandersetzung mit dieser Thematik dient meine Fundstücksammlung, die ich seit 2011 betreibe. Sie besteht aktuell aus etwa 5000 klein- bis mittelformatigen Artefakten: Zeug, das am Boden lag und in irgendeiner Form auffiel, etwa durch seine äußere Erscheinung, demVerfallszustand, der Materialität oder dem nicht mehr erkennbaren Gebrauchszweck. Neben diesen Objekten umfasst die Sammlung eine große Anzahl an natürlichen Fundstücken wie etwa Holzstücke, Pflanzenreste, Tierkadaver, Insektenleichen, Knochen und andere natürliche trockene Überreste, welche gleichwertig behandelt werden. Im Juni 2018 wurde der Großteil der Sammlung im Rahmen einer Vortragsperformance im Kunstraum lakeside in Klagenfurt präsentiert.
http://www.lakeside-kunstraum.at/statement-01-edith-payer-ueber-dinge/

Im kommenden Jahr soll an der Archivierung und Digitalisierung der Sammlung, die in einer allgemein zugänglichen Online-Datenbank abrufbar ist,  gearbeitet werden und in Zusammenarbeit mit ExpertInnen aus verschiedenen natur- und geisteswissenschaftlichen Fachbereichen (Literatur- und Sprachwissenschaft, Biologie, Ökologie, Geschichte, Umwelttechnik, Wirtschaftswissenschaft) ein umfangreiches keywording-System zur Generierung eines komplexen Deutungsnetzes entstehen. Als Grundlage dient die theoretische Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen musealen Sammlungswesen, seiner Repräsentation im Internet und der Formensprache angewandter Displays.